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150 Jahre Deutsches Reich – Kein Anlass zur Freude

18. Januar 2021

Heute vor 150 Jahren, am 18.01.1871, wurde der preußische König Wilhelm I. im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum Kaiser proklamiert. Mit dieser Demütigung Frankreichs begann die Geschichte der deutschen Nation, die – wenn auch in anderen Grenzen und einer etwas anderen staatlichen Verfasstheit – bis heute Bestand hat.

War das Kaiserreich lange Zeit als autoritärer, für Weltkrieg und Kolonialverbrechen verantwortlicher Obrigkeitsstaat diskreditiert, so ist seit einigen Jahren eine allgemeine Revision dieser Geschichtsauffassung zu beobachten: Historiker verfassen freundliche Apologien, Stadtschlösser oder Garnisonskirchen werden originalgetreu wiederhergestellt und der Wirtschaftsminister verehrt Bismarck ungeniert als einen großen, modernen Staatsmann.

Florian Weber, Historiker und Vorsitzender der Bayernpartei, stellt klar, dass es sich hierbei eher um sentimental-nationalistischen Kitsch als um einen aufgeklärten Umgang mit der Geschichte handelt: „Bei der Gründung des deutschen Reichs handelte es sich mitnichten um einen emanzipatorischen Akt, sondern um eine brutale Machterweiterung Preußens, die insbesondere südlich des Mains als Demütigung aufgefasst wurde.

Hier beginnt nicht nur die kulturelle und politische Marginalisierung Bayerns, auch der verbrecherische deutsche Kolonialismus nimmt hier seinen Anfang. Ebenso ist anzunehmen, dass es ohne Kaiserreich auch keinen Weltkrieg, keinen Versailler Vertrag und keinen Reichskanzler Hitler gegeben hätte. Ich finde, es ist an der Zeit, die ahistorische Verklärung des Kaiserreichs endlich aufzugeben und anzuerkennen, dass die wahre Größe Deutschlands niemals in der Einheit sondern immer nur in seinen Regionen, im Föderalismus und der vielgeschmähten Kleinstaaterei lag.“